Die Schule „Freie Schule LernZeitRäume“ wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine klassische Schule. Die Philosophie, die dort vorherrscht ist auf den Jena-Plan gestützt und sogar noch erweitert, was ich sehr interessant und auch gut finde, da diese Tatsache schon für ein nicht-starres System spricht.

Die Gründung der Schule liegt erst 8 Jahre zurück und sie ist nachwievor im Aufbau, was sich in der Schule zeigt. Genauso interessant finde ich die Tatsache, dass sich die Schule auch immer im Wandel befinden wird (nach der Philosophie), was ich persönlich extrem wichtig finde, da meiner Meinung nach eine dauernde Veränderung im Schulsystem absolut nötig ist. Es wird vermutlich niemals das perfekte Schulsystem geben, da das Lernen von Kindern viel zu individuell ist, als dass man EIN System finden wird.

Sobald man die Schule betritt, wird man zuerst gebeten die Schuhe auszuziehen, was zuerst befremdlich auf mich wirkte, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Genauso der Umgang miteinander innerhalb der Schule. Es ist ein ganz besonderer Umgang der Schüler mit den Lehrern und andersherum. Ich merkte das sofort. Die Schüler sind im Gegensatz zu Schülern an Regelschulen viel offener nach außen hin und sehr wenig in sich gekehrt. Der Umgang in den Klassen, bzw. Gruppen ist ein ganz anderer. Ich kenne es nicht, dass sich Schüler und Lehrer untereinander „Duzen“, aber ich finde das eine sehr gute Sache, da es meiner Meinung nach zu einer entspannten und somit produktiveren Arbeitsatmosphäre beiträgt. Ich fühlte mich mit der gesamten Atmosphäre willkommen in der Schule, zumal die Schüler auch auf uns Hospitanten zukamen und uns ihre Fortschritte gezeigt haben und uns herumgeführt haben. Dieses Gefühl ist mir völlig unbekannt. Das Arbeitsklima in den Klassen hat mich absolut beeindruckt. Ich habe es vorher nicht für möglich gehalten, bzw. für ein Wunschdenken gehalten, dass alle (!!) Schüler auch dann arbeiten, wenn der Lehrer kurz oder länger aus dem Raum geht.

Mir stellte sich die Frage, woher diese Arbeitseinstellung kommt. Schnell wird klar, dass dies in der Philosophie der Schule verankert ist. Das gesamte System in dieser Schule ist komplett anders. So wie es dort vorherrscht klingt es für mich sinnvoll. Zum Beispiel die nicht so strenge Regelung nach dem Bildungsplan, wonach die Schüler in einer bestimmten Klassenstufe bestimmte Kompetenzen erworben haben sollen. Die Schüler arbeiten in dieser Schule zwar auch an diesen Kompetenzen, nur sind sie hier nicht streng an die Klassenstufen gebunden. So kann bei Betrachtung einer bestimmten Kompetenz das Leistungsniveau innerhalb der Klasse von „gar nicht vorhanden“ über „bahnt sich an“ zu „ist darin Experte“ reichen. Nach der Idee, die damit verbunden ist, müssten theoretisch alle Schüler nach einer bestimmten Klassenstufe bestimmte Kompetenzen alle auf demselben Niveau haben, was aber niemals der Fall sein wird. Viele Schüler werden meiner Meinung nach bei bestimmten Kompetenzen einfach zurück gelassen und bekommen dann in der Zukunft Probleme bei Situationen, in denen diese Kompetenz gefordert ist. In den Freien Lernzeiträumen arbeiten die Schüler alle individuell an ihren Kompetenzen, so dass auch tatsächlich alle Schüler früher oder später diese Kompetenzen erwerben. Das „Früher oder Später“ spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Dies ist nur ein Beispiel für eine, in meinen Augen, sinnvolle Änderung in dieser Schule.

Weiterhin finde ich es beeindruckend, dass in den Gruppen die Schüler Interessen-geleitet arbeiten. Es ist prinzipiell immer Platz für Themen, welche die Schüler gerne mal bearbeiten und vorstellen möchten, was ich extrem wichtig finde.

Ein Kritikpunkt in der Schule ist für mich zum Beispiel das Schulgeld. Es ist für mich verständlich, dass die Schule das Geld braucht, zumal sie in privater Trägerschaft liegt. Das Problem was ich hierbei allerdings sehe, ist dass es nicht allen Kindern möglich sein wird die Schule zu besuchen, da sich viele Eltern das sehr wahrscheinlich nicht leisten können. Insoweit müsste man, damit dieses System noch zugänglicher wird sich eventuell um mehr staatliche Unterstützung bemühen. Es ist natürlich schwierig zu sagen, die Lage aussieht, wenn die Schule komplett besetzt ist, also auch die Abiturjahrgänge voll besetzt sind. Möglicherweise trägt sich die Schule irgendwann selber, so dass man eventuell über Reduzierungen des Schulgeldes oder anderweitige Vereinbarungen sprechen kann.
Weitere Kritikpunkte sind in den zwei Tagen für mich nicht ersichtlich gewesen.

Mein Gesamteindruck in der Schule war aber extrem positiv. Ich finde das Konzept richtig interessant und hoffe, dass der Staat in Zukunft mehr in solche Systeme investiert, damit Schüler in ganz Deutschland wieder gerne zur Schule gehen und Spaß am lernen haben.